raubdruckerin ist ein experimentelles Street-Printing-Projekt, das bereits seit 2006 Details der urbanen Textur ausgesuchter Städte auf Streetwear, Stoffe und Papier druckt und somit als ein persönliches Stück der Identifikation der Träger*innen auszeichnet. Gedruckt wird mit der Hand: auf Kanaldeckeln, Abluftgittern und sonstigen Reliefen, die die Infrastruktur der Stadtlandschaft hergibt. Dabei gilt der öffentliche Raum als Druckwerkstatt und Bühne für ausgefallene Motive, die im Alltag als solche gerne übersehen werden. Ein Abdruck der Stadt, der die Hektik der Massenproduktion wegnimmt und zudem ein einzigartiges Souvenir an den Leib der Menschen heftet.   

Schwerpunkt ist die Erforschung der Oberflächen von Städten, auf der Suche nach übersehenen, scheinbar unbedeutenden Details auf dem Bodenbelag, die sich als echte Stadtkunstwerke entpuppen. Sie zeigen unbemerkte Teile der Stadt, voller Geschichte, Vielfalt und Kreativität.

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printing in Porto

Der Prozess der Umwandlung eines städtischen Details in ein Bild, das auf jemandes Brust getragen wird, kann als umgekehrte Street Art betrachtet werden. Ein Teil der Stadt wird aus ihrem Ursprung herausgezogen und in einem anderen Kontext zu neuem Leben erweckt. Durch das Tragen des Bildes werden die Menschen selbst Teil des Projektes und es eröffnen sich Möglichkeiten, die Wahrnehmung in Bezug auf das Verhältnis zu unserer Umgebung anzuregen, Schönheit dort zu entdecken, wo man es nicht erwarten würde.

Entstehung

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one of raubdruckerins first works in „Festival do Musicas de Mundo“ Sines | Portugal 2006

raubdruckerin wurde von dipl.raubdruckerin Emma-France Raff gegründet. Sie entwickelte das Konzept mit Kanaldeckel zu arbeiten gemeinsam mit ihrem Vater, dem Maler Johannes Kohlrusch, in dessen Atelier im ländlichen Alentejo (Portugal). Zu der Zeit studierte sie Textildesign und machte gleich einige Testdrucke auf Stoff. Nach Begutachtung der Resultate war sie gleich sehr angetan von den Möglichkeiten, die sich eröffneten und das Projekt war geboren. Unter dem Namen Estampatampa wurden die ersten „Raubdrucke“ auf dem „Festival Musicas do Mundo“ 2006 in der Stadt Sines präsentiert.

Später lag das Projekt zunächst mal auf Eis. Emma tauchte in der  Mode- und Textildesign-Welt von Paris unter, bis sie zwei Jahre später nach Berlin zurückkehrte. In Berlin griff sie unter anderem ihr altes Projekt wieder auf, inspiriert vom unübersehbaren Reichtum an städtischen Strukturen.

Produktion in der Öffentlichkeit

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in the streets of Amsterdam

Jedes Stück wird von Hand bedruckt, hauptsächlich direkt an dem Ort der entdeckten Struktur. Das Arbeiten/Produzieren im öffentlichen Raum, eröffnet Chancen für spontane Interaktion mit Passanten, erzeug eine Abhängigkeit von Wetter und Zeit, macht das Projekt organisch.

Die Prints werden in einem Low-Tech-Druckverfahren hergestellt, bei dem ausser Malerrolle und Farbe, keine weiteren Materialien wie Druckplatten, Siebe oder andere Ressourcen gebraucht werden. Dieser Ansatz ist kritisch und bietet einen alternativen Standpunkt zur heutigen Massenproduktion.

Das Team um raubdruckerin ist in Berlin ansässig, beschränkt sich aber nicht nur auf die lokale Berliner Ebene, sondern arbeitet auch in anderen Metropolen wie Amsterdam, Lissabon, Madrid und Paris. Reisen ist Teil des Konzeptes.

raubdruckerin veranstaltet regelmäßig Workshops zum Thema „Street Printing“ bei denen der kreative Austausch von Menschen verschiedener Altersstufen und Hintergründe im Mittelpunkt steht.